Launching Connections – Das erste Konzertprogramm

Das erste Programm des Chores ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eine musikalische Verbindung thematisieren und wie ein Doppelpunkt spätere Programme ankündigen.

Erste Verbindung – Alte Welt und Neue Welt

Als die spanischen und portugiesischen Eroberer die Kolonien in Mittel- und Südamerika besiedelten, war eines der Ziele, die indigene Bevölkerung mit der eigenen Kultur zu prägen und assimilieren. In den großen Städten wie dem heutigen Mexico City oder Puebla wurden Kathedralen mit eigenen Chorschulen gegründet, die sich im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts zu großen Zentren der Kirchenmusik entwickelten. Komponisten aus Spanien und Portugal, die u.a. auch in Italien in der Prima Practica (und später auch in der Seconda Practica) ausgebildet waren, siedelten in die Neuen Kolonien über und wirkten dort als Maestro di Capilla. Anfangs wurden viele mitgebrachte Werke gesungen, doch entwickelte sich im Laufe der Zeit ein eigenständiges Repertoire, welches schon in der zweiten Generation auch die Einflüsse der Musik der indigenen Bevölkerung aufnahm und verarbeitete. Diese Entwicklung zeichnen wir mit Werken von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Francisco Guerrero, Juan Gutierrez de Padilla und Francisco Lopez Capillas anschaulich nach.

Zweite Verbindung – Großbritannien und Deutschland

Der Ire Charles Villiers Stanford, der ein wichtiger Vertreter der englischen Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts war, vertiefte sich auf seinen Studienreisen nach Leipzig und Berlin in Johann Sebastian Bachs Polyphonie und Johannes Brahms‘ Harmonik. Mit ihren Motetten ‚Singet dem Herrn ein neues Lied‘ BWV 225 und ‚Schaffe in mir, Gott, ein rein‘ Herz‘ Op.29/2 bringen wir zwei Klassiker der Chorliteratur zu Gehör. Diese Einflüsse lassen sich besonders in Stanfords wenig bekanntem ‚Magnificat in B-flat for Double Choir‘ hörbar machen: Bachs virtuose Stimmführung und Kontrapunktik verschmilzt hier mit Brahms‘ dichter Harmonik und Stanfords britischem Wohlklang zu einem kompositorischen Meisterwerk!

Dritte Verbindung – Nordamerika und Pazifik

Der dritte Block des Programmes nimmt die Verbindungen zwischen den USA und dem pazifischen Raum in der Chormusik in den Blick. Gerade im asiatischen Raum entsteht derzeit wunderbare Chormusik, die jedoch in der europäischen Chorszene noch viel zu wenig Beachtung erfährt. Eröffnet wird dieser Block von einem Standardwerk der klassischen amerikanischen Moderne, den ‚Reincarnations‘ von Samuel Barber, die die nachfolgende Komponistengeneration stark geprägt haben. Die chinesische Komponistin Chen Yi erhielt als erste Frau den Master of Arts am Central Conservatory of Music Beijing im Fach Komposition und lehrt heute an der University of Missouri. Die in den USA lebende indisch-stämmige Komponistin Reena Esmail verbindet in ihrem ‚Tuttarana‘ den hindustanischen Sologesang des Tarana mit dem westlichen Idiom des (Tutti-)Chores. Ken Steven überträgt in seinem ‚Hentaken Jiwa‘ (Der Puls der Seele) traditionelle Tanzbewegungen der Malay auf die Stimme und macht sie so der aufstrebenden indonesischen Chorszene zugänglich.